Der Main-Kinzig-Kreis ist bundesweiter Pionier beim flächendecken Bau einer schnellen Internetversorgung

Fünf Fragen an den Landrat und Aufsichtsratsvorsitzenden Erich Pipa:

Warum kümmert sich der Landkreis um den Breitbandausbau?

Es gibt leider keinen rechtlichen Anspruch auf die Versorgung mit Breitband in Deutschland, dann wäre vieles einfacher für uns. Wir haben seit Jahren Gespräche mit den Telekommunikationsanbietern geführt, um die Versorgung im größten Kreis von Hessen zu verbessern. Leider versagt der Markt und niemand war bereit etwas zu tun.

Zwar ist die Breitbandversorgung offiziell nicht als kommunale Daseinsvorsorge definiert, dennoch sehen wir uns in der Verantwortung. Wir wollen und brauchen eine moderne Telekommunikation für alle Bürger und Unternehmen, denn die Anwendungsmöglichkeiten und der Bedarf wachsen rasant. Insbesondere für ländliche Regionen ist ein leistungsfähiges Netz enorm wichtig. Es schafft und sichert Arbeitsplätze, stabilisiert die Region und denkt man an die Heimarbeitsplätze, entlastet es sogar die Umwelt.

Die Zukunftsfähigkeit unserer Region hängt davon ab, wie attraktiv wir für junge Familien, für Unternehmen, für Zuzüge aus anderen Regionen bleiben und noch werden. Zu dieser Attraktivität zählt vor allem die Infrastruktur. Waren das noch vor 20 Jahren Straßen und Schienen sind wir jetzt soweit, dass schnelles Internet der Schlüssel zur Zukunft ist.

Doch gerade in den ländlichen Regionen will sich kein Internetanbieter engagieren. Eine Analyse hat im Herbst 2011 noch einmal ganz offiziell dieses klare Marktversagen bestätigt. Aus dem Grund hat der Main-Kinzig-Kreis entschieden, die Breitband Main-Kinzig GmbH zu gründen und selbst eine Komplettlösung zu schaffen.

Was wird konkret geplant und umgesetzt?

In der zukünftigen Breitband-Infrastrukturentwicklung im gesamten Bundesgebiet spielen Glasfaserkabel eine große Rolle. Damit werden die benötigen großen Datenmengen nahe zum Bürger geführt, um eine hohe Bandbreite bei den Teilnehmeranschlüssen zu erreichen.  

Mit unserer Infrastrukturgesellschaft werden wir diese gesamte notwendige Glasfaserinfrastruktur aufbauen. Das sind insgesamt rund 650 Kilometer Leitung zu den etwa 1700 Kabelverzweigern. Außerdem benötigen wir noch rund 800 Multifunktionsgehäuse. 

Über dieses leistungsfähige Netz sind Bandbreiten von bis zu 50 Mbit/s für die Kunden verfügbar. Die Kopplung zwischen unserem Netz und dem der Telekom erfolgt im Ort an den Kabelverzweigern.

Für wen ist das Angebot gedacht und werden auch neue Gewerbegebiete / Schulen angeschlossen?

Das Angebot richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen des Kreises. Jeder kann dann schnelle Internetverbindung bekommen. Damit ist der gesamte Main-Kinzig-Kreis in der digitalen Zukunft angekommen. Dort wo es sinnvoll ist, werden wir auch vereinzelt mit der Glasfaser direkt in die Gebäude gehen. Das kann zum Beispiel bei großen Schulen der Fall sein. Auch bei Gewerbegebieten und in Unternehmen, die deutlich höhere Bandbreiten oder höhere Geschwindigkeiten benötigen, wird die Anbindung über eine direkte Glasfaserverbindung durch uns verwirklicht werden können. 

Weiterhin wollen wir natürlich Lösungen für Neubaugebiete und neue Gewebegebiete schaffen. In diesen Gebieten erfolgt ja grundsätzlich eine neue Errichtung von Infrastrukturen, insofern ist die Mitverlegung von Glasfasern in der Regel sinnvoll. 4. Wann geht es los und wie ist der weitere Zeitplan und welche Kommunen werden als erste angebunden?

Im Grunde genommen ging es bereits vor über einem Jahr los. Wir arbeiten seit mindestens zwölf Monaten unter Hochdruck an den Genehmigungen, Vorlagen und Ausschreibungsverfahren. Wir mussten mehrere europaweite Verfahren durchgeführt, die uns nun berechtigen, überhaupt tätig werden zu dürfen. Auch die Erstellung des Wirtschaftsplans, die Darlehensbeantragung, die rechtlichen Grundlagen aber auch die Suche und Auswahl unseres Partners haben uns bisher intensiv beschäftigt.

Davon wird der Bürger ab Oktober dieses Jahres auch endlich etwas sehen können, denn dann werden die ersten Kabel verlegt und die ersten Ortsteile ans weltweite Breitbandinternet angebunden. Diese drei Pilotprojekte konnten aufgrund eines beschränkten Vergabeverfahrens an Tiefbauunternehmen vergeben werden.

Für den Komplettausbau des Main-Kinzig-Kreises werden wir aber erneut ein europäisches Vergabeverfahren noch in diesem Jahr auf den Weg bringen müssen. Ab Frühjahr 2013 werden wir dann mit viel Baukapazität die Orte des Kreises sukzessive erschließen.

Wir wollen bis Ende 2014 die aktuell am schlechtesten versorgten Orte und bis Ende 2015 den kompletten Landkreis erschlossen haben.

Wer muss die Kosten für das Projekt tragen?

Die Kosten von über 57 Millionen Euro für das Projekt trägt der Main-Kinzig-Kreis mit seiner Gesellschaft komplett alleine. Wir werden keine Zuschüsse von den Kommunen erheben. Hinter dem Projekt steht ein Wirtschaftsplan, allerdings mit Amortisationszeiten, die für ein privates Unternehmen nicht tragbar wären. Das ist ja genau die Verantwortung, die wir als öffentliche Hand übernehmen.

Wir finanzieren unser Netz über die Netzmiete, die wir unseren Partnern für die Netznutzung berechnen. So liegt es in der Hand eines jeden, der schlecht versorgt ist, auf unser Netz zu wechseln und damit schneller für eine schwarze Null zu sorgen.

Die Finanzierung soll über ein Darlehen der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen erfolgen. Der Kreis hat zudem ein rückzahlbares Darlehen für die neu gegründete Breitband Main-Kinzig GmbH beschlossen.

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