Breitband für Hanau: Landrat erwidert Seitenhiebe der Telekom

Der Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Erich Pipa, zeigt sich verwundert über die Seitenhiebe der Telekom, nachdem diese den Breitbandausbau von Stadtteilen sowie der Kernstadt Hanau nun kommuniziert hat. Vorausgegangen war, dass die Telekom noch vor ein paar Jahren einen Ausbau verweigert hat und nun aufgrund der Wettbewerbssituation mit den sogenannten Kabelnetzbetreibern sich genötigt sieht, in Gebieten in denen die Kunden reihenweise zu diesen Kabelnetzbetreiben abwandern, aktiv zu werden. Dazu gehören auch die Stadtteile von Hanau.

Um hier Paroli bieten zu können, baut die Telekom das sogenannte Vectoring aus, also Bandbreiten bis 100 Mbit/s. Da die Telekom vor Jahren weit weg von dieser Einsicht war, hatte Landrat Pipa den mutigen Entschluss gefasst, selbst ein Breitbandnetz im gesamten Main-Kinzig-Kreis zu errichten. Und dies mit Erfolg, denn das Projekt hat deutschlandweit Vorbildcharakter bei Politik, Kommunen und Betreibern. Bereits in den kommenden Monaten wird man das Projekt vor dem Zeitplan und sogar leicht unter dem Budget beenden.

Daher sind sich alle Insider einig, dass die Telekom nun ist sauer auf den kleinen David. Mittlerweile hat die Breitband Main-Kinzig GmbH über ihren Netzmieter, die kommunale M-net Telekommunikations GmbH aus München, in nur einem Jahr bereits über 15.000 Kunden gewonnen. Diese Zahl liegt deutlich über den Planzahlen, freut sich Landrat Erich Pipa. Die Breitband Main-Kinzig GmbH hat seinerzeit auch die beiden Hanauer Stadtteile Klein-Auheim und Mittelbuchen ausgebaut, da die Not hier groß war.

Jedoch darf die Breitband Main-Kinzig GmbH nur Bandbreiten bis 50 Mbit/s anbieten, da für das Projekt kommunale Mittel verwendet wurden. Diese fließen zwar durch die Netzeinnahmen zurück, der Regulierer hat bei seiner Vectoring-Regulierung in 2014 dies allerdings so bestimmt. Insofern sind die Seitenhiebe der Telekom, die Breitband Main-Kinzig GmbH könne nur 50 Mbit/s, nicht korrekt. Denn die Spezialisten der Breitband Main-Kinzig GmbH haben bereits Technik für 100 Mbit/s gebaut und müssen diese nach den Vorgaben der Regulierungsbehörde nun drosseln.

Auch kann die Telekom nicht, wie sie behauptet, parallel in Klein-Auheim oder Mittelbuchen mit ihrer Vectoring-Technologie in ein paar Jahren kommen, denn kommunale Projekte sind vom Regulierer zu recht geschützt. Hier wollte man verhindern, dass der Markt erst „Nein“ sagt, und dann wenn die Kommunen tätig werden, doch ein „Ja“ macht.

„Diese Willkür ist zurecht bei der Bundesnetzagentur in Bonn erkannt worden“, so Landrat Erich Pipa. Erst vor wenigen Wochen hat die Bundesnetzagentur der Telekom untersagt, einen Ausbau in Großkrotzenburg zu tätigen, da hier bereits die Breitband Main-Kinzig GmbH den Ausbau angemeldet hatte. Auch hier hat die Telekom die mal „hü“ mal „hott“ Politik betrieben. Landrat Pipa überlegt nun, ob er den Weg zur Regulierungsbehörde geht und fordert, dass auch in kommunalen Projekten Vectoring angeboten werden darf. Denn im Grunde spricht nichts dagegen.

„Die Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sind auf unserer Seite und wissen sehr wohl was wir für den Landkreis gemacht haben“, betont er. Denn anders als in der Stadt Hanau, gibt es auf dem Land nur wenige Kabelanschlüsse, so dass die Telekom hier nie von sich aus tätig werden würde.